Die Entwicklung des Boxens zum Eventsport
Das Boxen gehört zu den wohl ältesten Sportarten überhaupt. Der Faustkampf Mann gegen Mann hat schon in antiken Zeiten die Menschen fasziniert und gehörte auch zu den Standardsportarten der frühen Olympischen Spiele. Während der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert hatte der Boxkampf in den USA, aber auch teilweise in Europa, dann einen eher zweifelhaften Ruf und wurde hauptsächlich in Hinterhöfen und auf illegale Weise in Kellerräumen oder stillgelegten Fabrikhallen ausgeübt, zum Teil ohne Schiedsrichter. Das Boxen war ein zwielichtiges Geschäft, die Betreiber oftmals Kriminelle und die Sportler selbst nur Marionetten. Andererseits hatte man durch die raue Atmosphäre noch einen Eindruck vom reinen Kampfsport ohne Glamour, ohne Glitzerlicht, und ohne Werbung auf den Eckpolstern.Wie verschieden stellt sich dagegen das heutige Profiboxen dar. Wenn Wladimir Klitschko, Felix Sturm oder Artur Abraham in den mit Werbeflächen gepflasterten Boxring steigen, sind sämtliche bedeutende TV-Anstalten vor Ort. Zur Szenerie dazu gehören nicht mehr nur ein Schiedsrichter, zwei Boxer und eine Horde betrunkener Zuschauer, die wie wild geworden ihren Favoriten anfeuern. Heutzutage sind bei WM-Kämpfen auch stets vielköpfige Trainerteams, mehrere Wertungsrichter, ein Ringsprecher, Journalisten aus aller Welt, Sicherheitskräfte aller Art und mindestens ein bekannter Popstar dabei, welcher während des schier endlosen Vorprogramms seinen aktuellen Hit zum Besten gibt. Außerdem finden sich in der ersten Reihe direkt am Boxring regelmäßig eine Reihe von B-Prominenten, die sich an solchen Boxabenden interessiert zeigen und gern zur Schau stellen. Ein Boxkampf ist ein Megaevent geworden, für welches sich auch gehobene Gäste nicht mehr zu schade fühlen. Mit den Kämpfen erwirtschaftet der Veranstalter heute auf legale Weise viel mehr Geld als früher. Die vielfach möglichen Reklamepausen im TV, die Werbeflächen auf und am Ring sowie Werbung auf den Eckpolstern bringen allein schon ein Vielfaches an Einnahmen im Vergleich zum früheren Wettgeschäft. Die besonders guten Kämpfer profitieren ebenfalls stark von der Popularität ihrer Sportart und gehören zu den Spitzenverdienern im Sport überhaupt.
Boxen war und ist wegen seiner Einfachheit so beliebt, denn ein Boxkampf ist sehr übersichtlich. Da ausschließlich die Fäuste als Waffe verwendet werden dürfen, bleiben auch dem Laien Treffer und Fehlschläge kaum verborgen. Der Boxring selbst ist ein sehr überschaubares Areal, das auch in einer großen Arena lückenlos von überall einsehbar ist. Umgeben ist er von den bekannten Ringseilen, in welche sich hart getroffene Kämpfer fallen und abfedern lassen können, um kurz darauf wieder einen sicheren Stand zu gewinnen. Während des Fights können Kameras aus jeder erdenklichen Position den Boxring einsehen und die Werbung auf den Eckpolstern und auf dem Ringboden gehören zu den wohl teuersten Werbeflächen im Sport überhaupt. Wer den Kampf gewinnt, wird im einfachsten Fall durch einen K.O. entschieden. Auch wenn man heutzutage nicht mehr wortwörtlich auf die "Bretter" geschickt werden kann, ist doch für jeden Zuschauer der Verlierer des Kampfes offenbar, wenn dieser sich nach einem Niederschlag nicht mehr rechtzeitig vom Boden erheben kann oder sein Trainer zu seinem Schutz das berühmte Handtuch wirft, welches dem Schiedsrichter die Aufgabe signalisiert. Die unsicherste Situation tritt immer dann ein, wenn ein Kampf ohne K.O.-Schlag nach 12 Runden zu Ende gegangen ist und die Wertungsrichter zur Tat schreiten müssen. Sie entscheiden schließlich über den besseren Kämpfer und dies ist nicht immer auch der, den das Publikum vorn gesehen hat. An dieser Stelle hat sich das Boxen von früher dann manchmal doch nicht groß vom heutigen Boxen unterschieden, denn Fehlurteile und Manipulationen treten wie überall, wo großes Geld gemacht wird, auch beim Profiboxen hin und wieder auf.